Essen ist viel mehr als satt werden. Gerade in der Küche können Kinder und Jugendliche erleben, dass beim Essen alle fünf Sinne gleichzeitig aktiv sind: sehen, riechen, schmecken, hören und fühlen. Je bewusster diese Sinne angesprochen werden, desto spannender wird das gemeinsame Kochen – und desto eher gelingt es, Neugier auf neue Lebensmittel und Gerichte zu wecken.
Das Auge isst mit
Bevor jemand probiert, wird das Essen angeschaut: Farbe, Form und Anrichtung entscheiden mit darüber, ob etwas „appetitlich“ wirkt oder eher nicht. Bunte Gemüsemischungen, bewusst gestaltete Teller oder ein schön gedeckter Tisch können Kinder motivieren, Neues zu probieren – gerade in Gruppen, in denen nicht alle dieselben Lieblingsgerichte haben.
Eine einfache Methode:
- Lasst Kinder denselben Snack einmal „lieblos“ (z.B. nur in der Schüssel) und einmal „schön angerichtet“ (auf Platten, mit etwas Deko) sehen.
- Fragt: Was spricht euch mehr an? Worauf habt ihr mehr Lust?
Riechen und Schmecken – die „Detektiv-Sinne“
Viele Kinder staunen, wenn sie merken:
Ein großer Teil des „Geschmacks“ entsteht eigentlich durch den Geruch.
Ein einfaches Experiment:
- Nase zu & probieren: Mit zugehaltener Nase ein Stück Apfel oder ein Gummibärchen probieren. Erst danach die Nase wieder frei machen. Plötzlich wird der Geschmack viel intensiver.
- Geruchs-Memory: Verschiedene Lebensmittel (Kräuter, Gewürze, Obst) in kleinen Döschen verstecken und nur am Geruch erkennen lassen.
Solche Übungen eignen sich sehr gut für Gruppen, weil alle mitraten können, Teamarbeit entsteht und nebenbei ganz spielerisch ein Bewusstsein für Aromen und Frische wächst. Gleichzeitig lernen Kinder, ihre Nase auch als „Kontrollorgan“ zu nutzen, z.B. um zu prüfen, ob etwas noch gut ist.
Fühlen und Hören – Essen anfangen und „anhören“
Nicht nur was im Mund ankommt, ist wichtig, sondern auch der Weg dahin:
- Wie fühlt sich ein Lebensmittel an (rau, glatt, hart, weich)?
- Wie verändert sich die Textur beim Kochen (z.B. rohe vs. gekochte Karotte)?
- Welche Geräusche entstehen beim Kauen (knusprig, knackig, weich)?
Es gibt viele Anregungen, Essen bewusst zu ertasten und zu „hören“ – etwa bei einem Knusper-Test mit Gemüse, Brot oder Knäckebrot. Kinder können mit und ohne Ohrstöpsel testen, wie sehr Kaugeräusche das Gefühl von „frisch“ oder „knackig“ beeinflussen.
Mit allen Sinnen zu mehr Wertschätzung und Nachhaltigkeit
Bewusste Sinneserfahrungen rund ums Essen bleiben nicht beim „Wow, das schmeckt gut“ stehen.
Sie können helfen,
- Lebensmittel wertzuschätzen,
- weniger wegzuwerfen und
- neugierig auf neue, auch pflanzenbetonte Gerichte zu machen.
Wer selbst schneidet, rührt, abschmeckt und bewusst riecht und probiert, versteht besser, wie viel Arbeit und Ressourcen in einem Essen stecken.
Ideen für die Praxis
Für Kinder- und Jugendfreizeiten, Konfi-Camps oder Gruppenstunden lassen sich mit Hilfe des Kochbuchs zum Beispiel folgende Einheiten gestalten:
- Sinnes-Parcours „Mit allen Sinnen essen“
- z.B. Blindverkostung, Geräusche-Rätsel, Fühlkiste mit Lebensmitteln
- Kochaktion „Bunt & knackig“
- Gemeinsam ein einfaches Gericht kochen (z.B. Ofengemüse, bunte Brotzeitplatten)
- Fokus auf Farbe, Konsistenz und Geräusche beim Schneiden und Kauen
- „Resteküche mit Köpfchen“
So wird Essen zum Lernfeld, in dem Kinder und Jugendliche nicht nur kochen lernen, sondern sich selbst und ihre Sinne besser kennenlernen.
Buchtipp: „Sinn-Voll-Lecker! Kochen und Essen mit Neugier und allen Sinnen“

© FH Münster
Das Kinderkochbuch „Sinn-Voll-Lecker! Kochen und Essen mit Neugier und allen Sinnen“ des Instituts für Nachhaltige Ernährung (iSuN) der FH Münster greift genau das auf: Es verbindet einfache Rezepte mit vielen Sinnesexperimenten rund ums Essen und eignet sich damit besonders gut für Freizeiten und Gruppenangebote.
Der Schwerpunkt liegt auf nachhaltiger Ernährung mit leckeren Rezepten basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der Oecotrophologe Prof. Dr. Ritter, der Lebensmitteltechnologe Albrecht Fleischer und Studierende der Oecotrophologie haben an dem Buch gearbeitet.

© FH Münster
Es ist im Verlag der FH Münster unter der ISBN 978-3-947263-38-7 erschienen und kann in Buchhandlungen bestellt werden. Weitere Infos und eine Leseprobe sind unter www.fh.ms/kinderkochbuch abrufbar.
Der Druck des Buches wurde mit Mitteln aus einer Crowdfunding-Aktion der FH Münster finanziert. Der Ernährungsrat Münster e. V. hat einen großen Teil des Geldes zur Verfügung gestellt. Die Idee zum Buch ist ursprünglich auf dem Kinderkochfestival in Rheine entstanden.
Über die Gast-Autorin
Hallo, ich bin Annika!
als gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Oecotrophologin (B.Sc.) sowie Berufspädagogin für das Gesundheitswesen (B.A.) bringe ich fachliche als auch pädagogische Expertise mit ein. Durch meine zwei kleinen Kinder liegt mir ebenfalls das Thema Kinderernährung und der Gesundheitsaspekt nicht nur beruflich, sondern auch privat besonders am Herzen.
Bei der Erstellung des Kinderkochbuchs habe ich das Team um Prof. Dr. Guido Ritter an der FH Münster als wissenschaftliche Hilfskraft unterstützt.







