in eurer Arbeit mit jungen Menschen fallen mitunter einige kompostierbare Abfälle an. Je nach Ort und Lage, gibt es bessere oder schlechtere Möglichkeiten, diesen Abfall zu sortieren und weiter zu verwerten. Leider haben nicht alle Orte eine „Biotonne“ oder eine Fläche für einen Kompost zur Verfügung.
Landen die wertvollen Abfälle in der Restmülltonne, gehen sie der Weiterverwertung und dem Kreislaufsystem verloren und werden sogar energieintensiv verbrannt. Im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit, ist Mülltrennung allgemein und vor allem Kompostierung der wertvollen, übrig gebliebenen Nährstoffe aus unserem Essen sehr sinnvoll und auch im Rahmen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unaufwendig umsetzbar. Besonders spannend wird es natürlich, wenn ihr daraus eine eigene Einheit macht und gemeinsam in einer Gruppenstunde Ideen sammelt und dann aktiv werdet.
Im Folgenden stellen wir einige Ansätze vor und geben Tipps zur Umsetzung in der Freizeitgestaltung.
TIPP:
DEATER plant mit euch eure Verpflegung, spart euch Geld, da ihr nicht zu viel einkauft (hilfreiche Mengenberechnung) und hilft euch damit auch weniger Essen übrig zu haben, welches ihr dann auch nicht recyclen müsstet.
Es gibt auf DEATER auch Infos zur richtigen Lagerung im Kühlschrank und zum Umgang mit Speiseresten, um Abfall weiter zu vermeiden.
Definitionen rund um Haushaltsmüll
Es gibt im Haushaltsmüll verschiedene Arten von Abfallkategorien: Restmüll, Bioabfälle, Verpackungsabfälle, Wertstoffe wie Altglas und Altpapier sowie Sondermüll, wie Elektrogeräte.
Bioabfälle, also alles an Küchenabfällen, alle Speisereste (roh, gekocht, verdorben) und Gartenabfälle können auf jeden Fall in die Biotonne. Der Inhalt der Biotonne wird dann teilweise in Biogasanlagen z.B. für Fernwärme verwertet oder in Kompostanlagen im großen Stil kompostiert.
Wo Platz vorhanden ist kann ein eigener Kompost angelegt werden.
Auf den Kompost darf allerdings nicht alles – außer ihr wollt wirklich Profi werden und die Kompostierung intensiv begleiten. Für mehr Details ist die Kompostfiebel vom Umweltbundeamt sehr zu empfehlen und Bokashi im Großformat könnte spannend sein. Im herkömmlichen Kompost müsst ihr jedenfalls auch auf eine ausgeglichene Mischung zwischen Kohlenstoff (holziges Material) und Stickstoff (frisches Material) achten.
Was braucht es für den eigenen Kompost?
- etwas Platz (windgeschützt und eher schattig) auf offenem Erdboden (damit die Kleinstlebewesen, Regenwürmer & Co aktiv werden können).
- Neben Küchenabfällen auch Grasschnitt, Äste und Laub.
- ein wenig Motivation, Interesse am Thema und Zeit, um den Kompost gut durchs Jahr zu begleiten.
Eigenen Kompost anlegen und pflegen
wenn von euch ein Ort genutzt wird, wo ohne Probleme ein eigener Kompost angelegt werden kann, ist das eine sehr gute Lösung (ihr macht so euren eigenen Kompost und müsst nichts teuer zukaufen, ohne zu wissen, was eigentlich genau drin ist, was vor allem beim biologischen Gärtnern ein Faktor ist) und es macht weit weniger Arbeit als oft befürchtet. Auch kann das Pflegen des Komposthaufens eine spannende gemeinsame Aktivität mit Kindern und Jugendlichen sein.
Der NABU hat diese sehr hilfreiche Übersicht der Dinge erstellt, die auf den Kompost dürfen und viele weitere Tipps und Ideen gesammelt:

Für einen gut funktionierenden Kompost ist es, wie schon erwähnt, wichtig, Materialien zu mischen. Zu euren Küchenabfällen müssen also auch Gartenabfälle, wie Grasschnitt, Äste und Laub beigemischt werden.
Je nachdem, ob ihr viel Material auf einmal habt oder übers Jahr verteilt langsam den Kompost füllt, habt ihr entweder einen „heißen“ oder „kalten“ Kompost. Beides klappt gut, schaut euch aber z.B. beim NABU weitere Infos zu den Details und der Vorgehensweise an.
Offener Kompost VS Plastikkompostboxen
ein offener Kompost aus Holzlatten, Metallgitter oder ein simpler Haufen sind unkompliziert und günstig. Im Fachhandel sind auch sogenannte „Schnellkomposter“ aus Plastik verfügbar, die zwar im Idealfall schneller Kompost produzieren, allerdings teuer in der Anschaffung sind, mehr Arbeit beim Einschichten machen und das Entnehmen des Komposts kann auch eher umständlich sein. Für Gruppenaktionen eignet sich dieses System wenig.
Ein offener Kompost aus Holzlatten oder Metallgitter, der ein bis zwei Mal im Jahr gewendet (die Profis sagen dazu „umgesetzt“) und vor Verwendung gesiebt werden sollte, sollte günstig und zuverlässig gute Arbeit für euch leisten.
Das Umsetzen des Komposts ist die schwerste Arbeit, die anfällt – macht in der Gruppe als Aktion aber auch viel Spaß! Sucht euch einen sonnigen und nicht zu warmen Tag dafür aus. Hilfreich ist es hier zwei Kompostboxen direkt nebeneinander zu haben, damit der Kompost nur von der vollen in die leere bewegt werden muss.
Hinweis:
Der NABU weist auf einen wichtigen Faktor hin: Grasschnitt aus dem Garten kann ohne Probleme mit auf den Kompost – illegale Entsorgung am Wald- oder Wegesrand ist aus sehr guten Gründen verboten. Es bringt Ökosysteme durcheinander und schadet der Natur.
Alternative Kompostmethoden
Wurmkompost
eine Wurmkompostbox ist eigentlich auch schnell vorbereitet und recht unkompliziert zu pflegen – aber man braucht vor allem im Winter einen guten Standort, geschützt vor Frost und muss bedenken, dass man sich einige hundert wurmige Mitbewohner anschafft und diese auch in längeren Schließzeiten nicht vergessen darf!
Das kann gut klappen und ist dann auch eine wirklich spannende Sache für Kinder und Jugendliche, da der Kompostierungsvorgang sehr anschaulich wird.
Es gibt schicke Modelle zu kaufen – es kann aber auch eine simple Box selbst gebaut werden. Es braucht im Grunde nur zwei Kammern, damit die Würmer hin und her umziehen können (dafür brauchen sie etwa vier Wochen) und ihr den entstandenen Kompost entnehmen könnt, ohne die Würmer zu stören. Eure Schnippelreste können einfach direkt in die aktive Kammer zu den Würmern – die Würmer mögen es allerdings eher kleingeschnitten und nicht zu viel auf ein Mal. Gekochtes, Zitrusschalen und tierische Produkte sind nicht zu empfehlen.
Kompostbike
Wer städtisch angebunden ist, kann sich informieren und wenn vorhanden, Angebote wie das Kompostbike aus Karlsruhe nutzen. Das Kompostbike von Urbane Gärten in Karlsruhe holt allerlei Bioabfälle klimafreundlich mit dem Lastenrad ab und kompostiert diese professionell für die Weiternutzung als Komposterde für Gärten in der Stadt. Damit entsteht ein sinnvoller Nutzungskreislauf, der sozial sowie ökologisch nachhaltig ist.
Bokashi-Komposteimer
ein Bokashi-Kompost ist ein luftdichtes Eimersystem, in dem Küchenabfälle direkt in der Küche, ohne üblen Geruch fermentiert anstatt im herkömmlichen Sinne kompostiert werden. Hier können allerlei Bioabfälle verwertet werde, also auch Essensreste. Das System eignet sich auch sehr gut für pädagogische Zwecke, da es schnell geht und unkompliziert ist.
Man braucht dazu:
– ein Eimersystem (selbstgemacht, neu gekauft oder gebraucht bei Kleinanzeigen)
– Bokashi-Starter mit effektiven Mikroorganismen
– eine kleine Ecke in der Küche
Wichtig ist, dass der entstandene Saft alle Paar Tage aus dem Eimer abgelassen wird und der Kompost gut verdichtet und luftdicht ist. Der Saft kann mit Wasser verdünnt direkt als Dünger verwendet werden und die festen Reststoffe können nach ca. 3 Wochen (Ruhezeit) einfach direkt in einem Gartenbeet in 20cm Tiefe eingegraben werden. Die CO2 Bilanz dieser Methode ist sehr gut und der Bokashi-Dünger ist reich an Nährstoffen.
Alternative zum eigenen Kompost
Wenn ihr all die genannten Kompostmethoden nicht umsetzen könnt, bleiben euch noch immer diese Möglichkeiten – und jede Bemühung, den Biomüll vom Restmüll zu trennen, lohnt sich für ein ökologisch nachhaltiges Kreislaufsystem.
Biotonne besorgen
wie schon erwähnt, hat leider nicht jeder Ort eine Biotonne im Angebot. Aber falls das doch der Fall ist, könntet ihr anregen für eure Arbeit eine Biotonne zu organisieren. Eine kleine Biotonne kostet im Jahr ca. 50€ und ist damit erschwinglich.
Die Trennung vom Restmüll auf diesem Wege ist wirklich unkompliziert und ihr tut viel für ein nachhaltiges Kreislaufsystem.
Nachbarn fragen
vielleicht gibt es in eurer direkten Nachbarschaft ja jemanden mit einem Kompost im Garten und ihr dürft euren Küchenabfall dort dazugeben. Fragt doch Mal freundlich an und bietet als Gegenleistung z.B. an, beim Bearbeiten oder Umsetzen des Komposts als Gruppe zu helfen.
TIPP:
Auch Biotonnen können geteilt und die Kosten somit gesenkt werden! Sucht euch Verbündete.
Mit-nach-Hause Nehmen
Wenn vor Ort keine Möglichkeit besteht, einen Kompost anzulegen und es keine Biotonne zur Mülltrennung gibt, nehmt doch den Müll mit nach Hause und kompostiert ihn auf eurem eigenen Komposthaufen oder gebt es in eure Biotonne. Irgendwer im Team hat ziemlich wahrscheinlich diese Möglichkeit – fragt nach und macht es zu einem wichtigen Planungspunkt.
Verständlicherweise besteht vielleicht die Sorge, dass der Müll stinkt. Aber möglicherweise habt ihr ja ohnehin gut verschließbare Eimer übrig und könnt den Bioabfall darin auslaufsicher lagern und transportieren.
TIPP:
Lasst Biomüll aber nicht zu lange in Eimern bevor ihr ihn auf den Kompost gebt. Kompostierung braucht Luftzirkulation – ohne diese fängt es an zu stinken und es wird das extrem klimaschädliche Gas Methan gebildet. Bei der Biotonne wird das Gas in den Großanlagen verwertet. Eine Alternative zuhause ist hier der Bokashi-Eimer.
Viel Erfolg und Spaß bei der Umsetzung!
Links für mehr Infos:
Details zum Bioabfallaufkommen und Verwertung
https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/bioabfaelle#bioabfalle-gute-qualitat-ist-voraussetzung-fur-eine-hochwertige-verwertung
Kompostfiebel vom Umweltbundesamt für den Kompost im eigenen Garten
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/151207_stg_uba_kompostfibel_web.pdf
Kostbarer Biomüll in der Restmülltonne
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/deutschlands-restmuell-hat-sich-in-35-jahren-fast
Über die Autorin
Hallo, ich bin Eike!
ich bin über meine Tätigkeit als Pädagogin im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung zu DEATER dazu gestoßen. Mein Engagement gilt der nachhaltigen und gesunden Lebensweise und Bildungsaktionen zu diesem Thema.
Ich habe zuerst Tiermanagement & Ökologie studiert und dann nach einiger Erfahrung im Bildungsbereich einen Master in Demokratiepädagogik absolviert.
Bei DEATER bin ich für die Projektorganisation, die Rezepterfassung und Weiterentwicklung der Plattform mit zuständig. Gerne schreibe ich auch neue Beiträge für „Wissenswertes“.







